Über mich
Ich bin 26 Jahre alt und schreibe, seit ich ein Kind war. Während andere Mädchen ihre Lieblingssänger an die Wand hängten oder von ersten Schwärmereien erzählten, saß ich mit Notizbüchern auf dem Bett und erfand Figuren, die einander beobachteten, verfolgten, belauerten, Figuren, die sich nicht ausstehen konnten und dennoch ständig aneinander dachten, als wäre zwischen ihnen ein unsichtbarer Faden gespannt worden, den keiner von beiden durchtrennen konnte.
Wahrscheinlich haben sich meine Geschichten seit damals weniger verändert, als ich manchmal glaube.
Mich haben nie Liebesgeschichten interessiert, in denen zwei Menschen sich begegnen und unmittelbar erkennen, dass sie füreinander bestimmt sind. Solche Gewissheiten erschienen mir immer verdächtig. Wesentlich interessanter waren jene Begegnungen, bei denen eine Person längst verloren war, während die andere davon noch nichts wusste, jene Geschichten, in denen ein Blick genügte, um eine Obsession entstehen zu lassen, während die andere Seite zunächst nur Gleichgültigkeit, Abneigung oder Verachtung empfand.
Deshalb kehre ich immer wieder zu denselben Figuren zurück.
Zu jungen Frauen, die ihre Unabhängigkeit mit einer beinahe trotzigen Hartnäckigkeit verteidigen, die sich gegen Gefühle wehren, gegen Nähe, gegen Bindung, weil sie überzeugt sind, niemanden zu brauchen, und zu Männern, die gerade an dieser Unerreichbarkeit scheitern, die sich vornehmen, Abstand zu halten, vernünftig zu bleiben, weiterzugehen, und stattdessen jede Bewegung dieser Frau bemerken, jede Veränderung ihrer Stimme wahrnehmen, jede ihrer Entscheidungen analysieren.
Mich interessiert nicht die Liebe selbst.
Mich interessiert der Augenblick davor.
Jener Zustand, in dem zwei Menschen einander noch nicht gehören, einander vielleicht niemals gehören werden und dennoch bereits das Denken des anderen besetzen. Die langen Gespräche, die Spannungen, die unausgesprochenen Konflikte. Die Momente, in denen eine Berührung mehr Bedeutung besitzt als ein Geständnis und ein Blick schwerer wiegt als jede Liebeserklärung.
Viele meiner Geschichten bewegen sich deshalb zwischen Verlangen und Widerstand, zwischen Faszination und Ablehnung, zwischen Nähe und Flucht. Die Frauen, über die ich schreibe, verlieben sich selten zuerst. Oft empfinden sie Ärger, Misstrauen, Verachtung. Sie sehen in dem Mann eine Störung ihrer Ordnung, ihres Friedens, ihrer Pläne. Sie widersprechen ihm, meiden ihn, bekämpfen ihn. Und gerade darin liegt für mich die eigentliche Spannung, denn Gleichgültigkeit lässt sich leicht überwinden, Hass hingegen verlangt Aufmerksamkeit. Niemand verschwendet so viele Gedanken an einen Menschen wie jemand, der behauptet, ihn nicht ausstehen zu können.
Ebenso faszinieren mich Männer, die zu lange bleiben.
Männer, die etwas in einer Frau erkennen und anschließend nicht mehr davon loskommen, die versuchen, ihre Gefühle hinter Höflichkeit, Distanz oder Selbstbeherrschung zu verbergen, während ihr gesamtes Denken längst von einer einzigen Person beherrscht wird. Nicht die laute Besessenheit interessiert mich, sondern die stille. Nicht das Offensichtliche, sondern das Verborgene. Die Art von Obsession, die niemand bemerkt und die dennoch jeden Gedanken, jede Entscheidung, jeden Tag bestimmt.
Vielleicht schreibe ich deshalb immer wieder über verbotene Liebe, Sehnsucht, Obsession und toxische Bindungen. Nicht weil mich Skandale interessieren, sondern weil mich Menschen interessieren. Menschen, die sich in Widersprüche verstricken. Menschen, die gegen ihre eigenen Gefühle kämpfen. Menschen, die genau wissen, dass sie gehen sollten, und trotzdem bleiben.
Am Ende sind es immer dieselben Geschichten, zu denen ich zurückkehre.
Geschichten über Männer, die zu viel fühlen.
Geschichten über Frauen, die zu lange davonlaufen.
Und Geschichten über jene seltenen Begegnungen, die ein Leben verändern, lange bevor die erste Liebeserklärung ausgesprochen wird.